Tag 07 – Fahrt nach Canyon Village

Heute früh war es wieder recht kalt draußen: -2°C. Dafür auch wieder keine Wolke am Himmel.
Meine biologische Uhr weckte mich heute mal schon vor 7 Uhr. Da ich nicht mehr einschlafen konnte, stand ich dann endlich gegen 7 Uhr auf.
Da wir heute auschecken mussten, hatten wir noch ein paar Sachen zu tun, bevor es zum Frühstück ging.
Gleich nach dem Frühstück brachten wir unsere Sachen zum Auto und ich checkte aus.
Ein paar Fotos aus der Gegend waren noch gewünscht, also wurden die noch schnell gemacht.
Anschließend musste der Durst unseres Buicks noch gestillt werden und so bekam er für $40 nochmal 11 Gallonen gefüttert.

Nun verließen wir in gemütlicher Fahrt West Yellowstone. Die Schlange am Park-Eingang war beeindruckend, erklärte sich aber, als mich Grit an das Labourday-Weekend erinnerte. In der Prepaid Spur ging es aber recht flott. Äußerst Praktisch, daß wir den „Beautiful America“ Pass dieses Jahr nochmal nutzen konnten. Wir hatten dafür letztes Jahr $80 gezahlt.

Die Fahrt ging ein paar Meilen recht flüssig, bis ein paar Elche am Straßenrand auftauchten. Nachdem der Stau überstanden war konnten wir ohne weitere Unterbrechungen bis zum Old Faithful durchfahren. Wir wollten schauen, ob der Castle Geyser für die nächste Stunde angekündigt war. Er war für ca. 20:30 vorhergesagt, also dürfte er ziemlich früh am Morgen ausgebrochen sein.
Für uns gab es also nichts Neues zu sehen und da sich der Parkplatz merklich füllte fuhren wir weiter Richtung West-Thumb.
Auf der Fahrt passierten wir den „Continental Divide“. Hier teilt sich die Flussrichtung der Flüsse. Bis hierhin war es Westen, nun flossen alle kommenden Flüsse Richtung Ostküste.
Am West-Thumb angekommen liefen wir den großen (wenn schon, denn schon 🙂 ) Trail. Der West Thumb (Daumen) ist ein Teil des Yellowstone Lake. Der Yellowstone Lake ist aus einer Eruption des Yellowstone Vulkans vor ca. 150.000 Jahren entstanden. Der Geruch von faulen Eiern begrüßte uns auch hier wieder. Es gab ein paar kleine Geysere, heiße Quellen und Schlammvulkane, wobei hier nichts allzuhoch geschleudert wird (derzeit).
Am interessantesten waren die kleinen Quellen am „Strand“. Einer heißt Fishing Cone. Anfangs hatte man hier noch mit Angel fischen können. Hatte man einen Fisch am Haken wurde er an der Angel in die Quelle bugsiert und wurde direkt gekocht, ohne dass man ihn vom Haken nehmen musste.
Mittlerweile ist das Angeln hier verboten, da die Angler sich im Fishing Cone teils schwer verletzt hatten (Verbrennungen) und mit den Füßen diese Quelle beschädigten (wer ist so blöd da rein zu treten?).

Als wir hier durch waren, war es gegen 12:30 Uhr. Da es auf der Strecke ab und an kleine Picknick-Stellen gibt, beschlossen wir hier mit unserem leckeren Brot Mittag zu machen. Dummerweise findet man so eine Stelle nie, wenn man sie braucht. An einer sind wir wegen eines Missverständnisses vorbeigefahren und mussten einige Meilen weiter fahren, bis wieder eine kam.
Es waren zwar fast alle Bänke voll, wir fanden aber trotzdem ein Plätzchen und konnten (etwas kühl) im Wald unser Picknick machen.
Mit vollem Magen ging es weiter – uns begegnete eine Picknick-Stelle nach der anderen. 🙂

Wenig später erreichten wir den Bereich der „Mud Volcanoes“, der Schlamm Vulkane. Schon im Vorbeifahren rochen wir wieder den typischen Geruch.
Ein Parkplatz war schnell gefunden – der typische Amerikaner versucht immer so nah wie möglich am Trail-Anfang zu parken, so sind die am weitesten entfernten meistens noch frei. 🙂
Aufgrund des wenigen Regens der letzten Zeit, waren die Schlammvulkane nicht sonderlich spektakulär. Interessant war ein Beispiel, wie schnell sich die Gegend ändern kann. Ein Teil des Hügels wurde „Boiled Hillside“ genannt. Ein Erdbeben in der ersten Hälfte des 20. Jh.s hatte die meisten Bäume der bis dato stark bewaldeten Gegend umgeworfen. Nach dem Beben erhöhte sich dann die Temperatur des Erdbodens zeitweise auf 95°C, wodurch die restlichen Pflanzen „gekocht“ wurden.
Im Hinterland gab es einen Schlammvulkan, der in den 1890ern ausbrach und komplette Bäume durch die Gegend schoss.
Außerdem gab es eine Quelle mit dem Namen Drachen-Maul („Dragons Mouth Spring“). Hier schoss der Rauch der heißen Quelle aus einer Höhle – einem Drachenmaul nicht unähnlich.

Nun ging es weiter Richtung Norden. Die nächste Station war das Hayden Valley – ein Tal, in dem gute Chancen auf Sichtung von Büffeln, Bären und Wölfen in der Dämmerung besteht. Da es erst gegen 15 Uhr war, machten wir nur einen kurzen Fotostopp und fuhren weiter Richtung Canyon Lodge. Kurz vor der Lodge sind die Zufahrten (Nord/Süd) zum Grand Canyon of Yellowstone.
Wir fuhren, wo wir schonmal da waren, zur Einfahrt an die Süd-Kante des Canyons. Hier gab es dann Ausblicke auf den Upper Fall und den Lower Fall.
Zuerst war der hintere Parkplatz, der Lower Fall dran.
Es war ein beeindruckender Anblick, den der Yellowstone River hier geschaffen hat. Die Wassermengen, die hier entlang flossen, waren nicht übel. Kein Wunder, dass diese Schlucht über die Jahre so tief geworden ist.
Die Aussicht auf den Upper Fall war nicht ganz so spektakulär, ein kurzer Blick und wir fuhren endlich zur Lodge.
Da der Checkin lt. Reservierung erst für 16:00 Uhr möglich war und es jetzt kurz vor 16 Uhr war, erwartete ich eine lange Schlange beim Checkin.
Noch bevor ich durch den Eingang durch war, war schon wieder ein Schalter für mich frei, also alles halb so wild.

Der Checkin war schnell erledigt und schon hatte ich meine Magnetkarten, die die Zimmerschlüssel sind.

Die Cabin ist jeweils für 4 Parteien ausgelegt. Innen ist sie äußerst geräumig und angenehm. Allerdings auch wie angekündigt ohne Fernseher/Radio und Telefon. Internet gibt es im ganzen Park nicht, also muss man sich anders beschäftigen 😉 .

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es dann wieder los. Ein paar Büchsen Budweiser mussten noch beschafft werden und dann sollte es nochmal nach Hayden Valley gehen – die Idee hatten viele andere auch, entsprechend voll war es. Zwei Büffel waren direkt an der Straße zu sehen (aber kein Parkplatz zum knipsen), dann gab es noch eine Herde Rehe.

Wir fuhren ohne Fotos wieder zum Canyon, da es mittlerweile nach Sonnenuntergang war und ich noch ein paar Nachtfotos schießen wollte.
Hier konnten wir dann auch eine LED Taschenlampe aus dem Walmart endlich mal ausprobieren – Wahnsinn, was so ein kleiner Chip an Licht raushaut.
Man konnte tief in den Wald leuchten (es waren keine Bären zu sehen 🙂 ). Selbst die andere Canyon-Seite konnte man ausleuchten.

Da wir hier aber nicht so recht ein Motiv treffen konnten, brachen wir für heute ab und fuhren in unsere Cabin zurück.

Route